Stellungnahme: „Bild“-Ente zu Weihnachten sät Zwietracht

Veröffentlicht in Bundespolitik

Weihnachten ist eigentlich die Zeit der Besinnung, ein Fest des Friedens und der Liebe. Wenn diese Harmonie unnötig gestört wird, dann liegt das mit Sicherheit auch an Schlagzeilen wie dieser: „Politiker fordern: Christen sollen im Weihnachtsgottesdienst muslimische Lieder singen!“ Das jedenfalls behauptete die Bild-Zeitung in ihrer Montags-Ausgabe und berief sich dabei auf Politiker der Grünen und der SPD. Die Empörungsmaschinerie sprang auch sofort an.

In den Sozialen Netzwerken sorgte der vermeintliche „Vorschlag“ umgehend für Wirbel und reflexhafte Reaktionen: Von Bevormundung und Anbiederung war die Rede. Und Bild ordnete ein: SPD, Linke und Grüne unterstützen den „Lied-Vorstoß zu Weihnachten“, während sich CDU und FDP mannhaft dagegen wehren. FAZ, Focus, Spiegel Online – jeder schrieb es brav vom anderen ab.

Das Dumme ist nur: die Idee stammt von der Bild-Zeitung selbst, kein Politiker war zuvor darauf gekommen. Statt einer Geste des Friedens oder Zeichen der Verständigung unterbreitete BILD diese untaugliche (weil vergiftete) Offerte und nahm billigend in Kauf, dass dadurch Religionen instrumentalisiert werden, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Pegida-Bewegung wieder Zulauf bekommt.

Was ich von dem BILD-Vorschlag halte:

  1. Der Glaube ist nicht das Problem. Deshalb bedarf es auch keines besonderen Zeichens der Versöhnung zwischen den Religionen.
  2. Was es aber über denn Tag hinaus braucht, ist mehr Verständnis, Achtung und Toleranz von beiden Seiten.
  3. Ein Lied kann eine Brücke sein. Wo auch immer Christen und Muslime der Meinung sind, Verständigung ließe sich mit einer derartigen Lied-Geste befördern, wäre dies erstens deren Sache und zweitens nachahmenswert.

Wir sollten nicht zulassen, dass in Zeiten wie diesen vieles, was für die Versöhnung und Frieden getan wird, von Krakelern diffamiert und ins Gegenteil verkehrt wird. Das hat Weihnachten nicht verdient.

Thomas Funk MdL

Bild: Kora27 (CC-BY-SA)

 

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